Montag, September 25, 2006
Nachdem nun die erste Woche vergangen ist, komme ich auch mal in Ruhe zum Schreiben. Ein paar Bilder sollte es auch geben, wenn ich es schaffe, diese Hochzuladen, ansonsten dann eben mal irgendwann später.
Im Grunde wird mir langsam klar, wieso man eigentlich fast gar nicht die Sprache des Landes braucht, um so ein Erasmussemester zu meistern. Seit dem ersten Tag, also quasi Montag, läuft an der Uni alles in Englisch ab und man könnte denken, die Uni ist irgendwo auf der Welt, aber nicht bei den Franzmänner, die so auf ihre Sprache und Kultur bedacht sind. Die erste Woche haben wir in einer Gruppe von ca. 120 Ausländern verbracht, d.h. wirklich Kontakt gab es an der Uni mir wirklich Franzosen überhaupt nicht. Stattdessen hat man uns erst einmal ein Einführungsseminar über Europa und Frankreich in Allgemeinen verpasst. Soll heißen, ich weiß jetzt ein wenig mehr über die französische Geschichte und Mentalität, sowie über die europäischen Strukturen. Die Belohnung des ganzen, war eine zweistündige Klausur diesen Freitag, in der das Ganze dann zu Papier gebracht werden durfte. Ich glaube zwar nicht, dass mir jemals so ein Kurs in Deutschland angerechnet werden kann, aber laut Umrechnung würde mir diese 2,5 ETCS einen Creditpoint bei uns bringen, vorausgesetzt, die Umrechnung lautet immer noch 1,5 ETCS = 1CP. Sonderbar an der Klausur war, dass uns mal gleich 3 in die Jahre gekommene Damen vorgesetzt wurden, die auf uns aufpassen mussten, als schriebe man seine entscheidende Prüfung.
Außerdem habe ich einige komische Entdeckungen gemacht, abgesehen davon, dass man Erasmusstudent eine Art Student 2. Klasse ist, soll heißen, für die richtigen Bezahler gibt es zur Begrüßung ein riesen Buffet, wie hoffentlich auf einem Foto zu sehen, für uns hingegen nur ein paar Kannen Kaffee und Croissants. Zudem hat die Uni einen eigenen Arzt, der auf dem Campus residiert, wir dürfen allerdings nur bis zur Krankenschwester, die uns irgendwo anders schickt. Und die französische Bürokratie lebt auch noch in dieser Uni ein wenig auf, soll heißen, meinen größten Teil Papierkram konnte ich recht reibungslos erledigen, aber einem Formular jage ich immer noch hinterher. Zwar habe ich nach einiger Suche das Büro schon gefunden, aber entweder ist die zuständige Person nicht anwesend, oder es ist einfach komplett geschlossen…
Dafür habe ich nun endlich mal meine Vermieterin angetroffen und bin seit diesem Sonnabend endlich stolzer Besitzer eines eigenen Briefkastens und mit dem Auftrag ausgestattet, den Wohnwert meines Loches hier ein wenig zu steigern, in dem ich gegen Rechnung ein wenig Einkaufen kann bzw. mir demnächst mal ein Maler vorbeigeschickt werden soll.
Ansonsten gibt es noch so einige anderen sonderbare Dinge, z.B. werfen die Banken nur so mit dem Geld um sich, dort wo ich jetzt bin, habe ich 50 Euro Bonus bekommen und bin komplett von allen Gebühren befreit und eine anderer bietet sogar mal 100 Euronen Begrüßungsgeld, obwohl die eindeutig auf dem Studentenausweis (Plastekarte) lesen können, dass das Semester nicht sehr lange dauert…
Auch das verdammte Geld gibt sich hier recht schnell aus, abgesehen von meinen wirklich preiswerten Einkäufen bis Lidl, wo anscheinend nur die allerunterste Schicht einkaufen geht und ich schräg angeguckt werden, als ich mit einem fünfziger bezahle (in der Kasse lag vorher nur ein einziger…). Es kann manchmal sehr fatal sein, zu bestellen ohne wirklich auf die Preise zu schauen, selbst die schäbigsten Läden habe da so ihre Preise. Für 5,50 ein 0,33l Bier, in einer Flaschenförmigen Dose, mag ja noch was innovatives haben, aber 8 Euro für einen kleinen Cocktail ist dann echt zu viel des Guten.
Generell scheinen die Franzosen (auf der Straße gibt es sogar welche und das Fernsehen und Bahnzeitung sind auch auf dieser Sprache, falls ich nicht bei der kostenlosen Financial Times aus der Uni hängen bleibe) ein recht ungestörtes Verhältnis zu ihrer Umwelt zu haben. Abgesehen davon, dass doch einige hunderte unter den Seine-Brücken hausen und ihr Leben dort fristen, herrscht hier wohl akuter Mangel an City-Toiletten. Zweimal musste ich so ein Spektakel diese Woche am hellerlichten Tag ertragen. Einmal direkt in Nähe des Louvre und das andere Mal animierte eine Mutter ihren Bengel, ein armes Auto zu Besprenkeln. Da zeigt sich wieder, wie wenig die Autos hier wert sind, jeder beult jeden ein und wenn die Lücke auch nur 5cm länger als das Auto ist, wie der einfach irgendwie reingefahren. Im Allgemeinen ist das Verkehrsverhalten ja doch total verschieden. Als Fußgänger muss man einfach jede rote Ampel mitnehmen, sonst behindert man noch den Verkehr. Meiner Meinung nach ersetzt hier die Hupe den Blinker, oder wird zumindest genauso oft gebraucht, zu welchem Zweck auf immer. Mir hat neulich jemand erklärt, der hier per Motorrad unterwegs ist, er fühle sich hier sicherer als auf deutschen Straßen, da angeblich jeden auf jeden aufpasst. Soll heißen, wenn ich über die Straße laufe, ohne nach recht und links zu gucken, wird gebremst, da ich ihn ja nicht sehe, gucke ich aber vorher in Richtung Verkehr, habe ich den anderen bereits gesehen und somit besteht für ihn kein Grund zu bremsen.
Zu guter letzt, falls jemand noch so weit liest, ein paar Kleinigkeiten. Hänk müsste ja schon mal die Satellitenbilder der Gegend angeschaut haben und gesehen habe, dass ich meiner Nähe ein Kanal ist. In dieser Kloake haben neulich tatsächlich ein paar Leute geangelt, wobei ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass es darin überhaupt lebende Fische geben soll.
Ich glaube damit habe ich nun mein Wochenpensum an Geschreibsel erst einmal wieder erfüllt und genieße noch mein internetloses Wochenende…
Und die Bilder sind ja schon zuvor gepostet...
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